Geschichte

Über die Geschichte der Garnisonkirche Potsdam

Erfahren Sie im Zeitstrahl wichtige Daten und Fakten zur Geschichte der Garnisonkirche Potsdam.

Errichtung und Nutzung in der Preußischen Ära

1730 – 1918

  1. 1730 – 1735

    Bau der Hof- und Garnisonkirche

    Nach dem Abriss des Vorgängerbaues im September/Oktober 1730 beauftragt Friedrich Wilhelm I. den Architekten Philipp Gerlach mit dem Bau der Hof- und Garnisonkirche. Bereits am 17. August 1732 findet der Einweihungsgottesdienst statt, doch der Turmbau dauert noch bis 1735. Die Kirche ist Simultankirche für eine vorwiegend lutherische Militär- und eine reformierte Hof- und Zivilgemeinde.

    Bau der Hof- und Garnisonkirche
  2. 22.07.1740

    Beisetzung von Friedrich Wilhelm I. in der Gruft der Garnisonkirche

    In Abkehr von der Familientradition lässt sich Friedrich Wilhelm I. nicht in der Berliner Domkirche, sondern in der 1737 errichteten Gruft der Garnisonkirche beisetzen.

    Beisetzung von Friedrich Wilhelm I. in der Gruft der Garnisonkirche
  3. 08.05.1747

    Johann Sebastian Bach spielt auf der Wagner-Orgel in der Garnisonkirche

    Johann Sebastian Bach besucht Potsdam und spielt in Anwesenheit von Friedrich II. auf der Joachim-Wagner-Orgel der Garnisonkirche, wobei er das Instrument als „ein gar prächtig Werk“ lobt. Ein Ergebnis der Bach’schen Potsdamreise ist das berühmte „Musikalische Opfer“.

    Johann Sebastian Bach spielt auf der Wagner-Orgel in der Garnisonkirche
  4. 18.08.1786

    Beisetzung Friedrichs des Großen in der Garnisonkirche

    Friedrich der Große wollte nicht neben seinem Vater, sondern auf der Terrasse des Schlosses Sanssouci seine letzte Ruhe finden. Gegen seinen Willen wird er dennoch in der Gruft der Garnisonkirche beigesetzt. Nach einer 1943 beginnenden Odyssee sollte es erst 1991 zur Erfüllung seiner testamentarischen Bestattungsverfügung kommen. Friedrich Wilhelm I. ruht seither dagegen im Mausoleum neben der Friedenskirche im Marlygarten des Parks Sanssouci.

    Beisetzung Friedrichs des Großen in der Garnisonkirche
  5. 05.11.1805

    Treffen von Friedrich Wilhelm III. und Luises mit Zar Alexander I.

    Am Grab von Friedrich II. verbrüdern sich Friedrich Wilhelm III. und Luise mit Zar Alexander I. gegen Napoleon.

    Treffen von Friedrich Wilhelm III. und Luises mit Zar Alexander I.
  6. 25.10.1806

    Napoleon besucht den Sarg Friedrichs des Großen

    Zwei sich widersprechende Varianten von Aussprüchen Napoleons beim Besuch des Grabes von Friedrich sind überliefert: „Sic transit Glorioa mundi!“ und „Wenn man auch todt ist, so ist doch der Ruhm unsterblich!“ Dagegen fiel der oft zitierte Spruch „Lebte diese noch, so stünde ich nicht hier“ im Stadtschloss, als der Franzosenkaiser den Degen des Preußenkönigs in der Hand hielt.

    Napoleon besucht den Sarg Friedrichs des Großen
  7. 03.08.1809

    Vereidigung der ersten frei gewählten Stadtverordnetenversammlung in der Garnisonkirche

    Die Einführung der Städteordnung im Rahmen der Stein-Hardenbergschen Reformen führt auch in Potsdam zu einer städtischen Selbstverwaltung.

  8. 31.10.1817

    Erster gemeinsamer Gottesdienst von Reformierten und Lutheranern in der Garnisonkirche

    Die Union von Reformierten und Lutheranern wird mit einem gemeinsamen Abendmahl der königlichen Familie, des Hofes und der Militär- und Zivilgemeinde in der Garnisonkirche vollzogen. Die noch mehrmals überarbeitete Agende (Gottesdienstordnung) enthält Elemente beider Konfessionen. Beide sind zur Versöhnung aufgerufen, um im Geiste Christi eine neu belebte evangelische Kirche zu bilden.

    Erster gemeinsamer Gottesdienst von Reformierten und Lutheranern in der Garnisonkirche
  9. 31.05.1910

    Berufung Prof. Otto Beckers an die Garnisonkirche

    Schon im 19. Jahrhundert war die Garnisonkirche die bedeutendste Musikstätte Potsdams. Ab 1910 wird Professor Otto Becker als deren Kantor, Organist und Glockenist (Carillonneur) zu einer bekannten Persönlichkeit. Bis zur Zerstörung gibt er 2.062 öffentliche Glockenkonzerte, dazu veranstaltet er Orgelfeierstunden, geistliche Konzerte sowie Kammermusiken. Im Nebenamt spielt er am Sabbat auch die Orgel der Potsdamer Synagoge.

    Berufung Prof. Otto Beckers an die Garnisonkirche

Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus

1918 – 1945

  1. 24.11.1919

    Weimarer Republik

    In der Weimarer Republik zeigt sich in Potsdam stark die Skepsis gegenüber der Demokratie. Der Phantomschmerz über das verlorene Kaiserreich wirkt übermächtig. Veranstaltungen in und vor der Garnisonkirche belegen aufgeladenen Nationalismus. Am 24.11.1919 lud die DNVP zu einer Totenfeier. Ludendorff sprach gegen die Republik. Ein Feldgrauer rief: ‚Wenn die Stunde kommt, folgen wir Ihnen wieder.‘ Die Gemeinde sang dort ‚Deutschland, Deutschland, über alles‘. (Quelle: Silomon 2014, S.38f.)

    Weimarer Republik
  2. 21.03.1933

    Staatsakt zur Eröffnung des Reichstages in der Garnisonkirche

    Am 21. März 1933 findet in der Garnisonkirche der Staatsakt zur konstituierenden Sitzung des Reichstages statt. Bei der Verabschiedung kommt es zum Handschlag Adolf Hitlers mit Reichspräsident Paul von Hindenburg. Das Foto dieser Verabschiedungsszene erfährt erst später eine starke Verbreitung und wird zum Symbol für die unheilvolle Verbindung des national-konservativen Preußen mit der Partei der neuen nationalsozialistischen Regierung.

    Staatsakt zur Eröffnung des Reichstages in der Garnisonkirche
  3. 20.07.1944

    Attentat auf Hitler durch Angehörige des IR9

    Die Garnisonkirche war das Gotteshaus des in der Nachbarschaft stationierten Infanterieregimentes 9. Einige Offiziere dieses Regimentes beteiligten sich unter Einsatz ihres Lebens an dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Der nach Paris abkommandierte Garnisonkirchenpfarrer Rudolf Damrath war als Vertrauter des Militärbefehlshabers Carl-Heinrich von Stülpnagel nachweislich unmittelbarer Mittäter im militärischen Widerstand.

  4. 14.04.1945

    Brand der Garnisonkirche nach Luftangriff auf Potsdam

    Beim Luftangriff auf Potsdam, der „Nacht von Potsdam“ am 14. April 1945, brennt das Innere des Kirchenschiffs und des Turmes aus, die über 30 Meter hohe Turmlaterne mit dem Glockenspiel stürzt herab. keine der 40 Glocken bleibt unbeschädigt.

    Brand der Garnisonkirche nach Luftangriff auf Potsdam

Reparatur, Nutzung und Abriss in der 
DDR-Zeit

1945 – 1968

  1. 25.07.1949

    Umbenennung in „Heilig-Kreuz-Kirche“

    Auf Beschluss des Gemeindekirchenrates nennt sich die ehemalige Zivilgemeinde der Garnisonkirche ab dem 25.07.1949 „Heilig-Kreuz-Gemeinde“. Die im Wiederaufbau befindliche Garnisonkirche erhält den Namen „Heilig-Kreuz-Kirche“.

    Umbenennung in „Heilig-Kreuz-Kirche“
  2. 18.06.1950

    Einweihung der Heilig-Kreuz-Kapelle

    Mit der Einweihung der Heilig-Kreuz-Kapelle im Turm war die Ruine der ehemaligen Garnisonkirche wieder Gotteshaus der Zivilgemeinde, und zwar neben der Französischen Kirche das einzige nutzbare der Innenstadt.

  3. 23.06.1968

    Endgültige Sprengung des Turms

    Nach der sukzessiven Sprengung des Kirchenschiffs und einem misslungen Versuch wird der z.T. gesprengte Turm an einem Sonntag zur Gottesdienstzeit unter SED-Generalsekretärs Ulbricht gesprengt. Zuvor wurden mittels Einbau von Stahlbetondecken Sicherungsarbeiten durchgeführt, die unter dubiosen Vorwänden gestoppt wurden. Wie viele kriegsbeschädigte, aber intakte Sakralbauten Ostdeutschlands, fiel die Ruine der ideologisch motivierten Umgestaltung Potsdams zur „sozialistischen Stadt“ zum Opfer.

    Endgültige Sprengung des Turms

Wiederaufbau und Erinnerungskultur

1968 – heute

  1. 14.04.1991

    Übergabe des Glockenspiels an die Stadt Potsdam

    Die 1984 in Iserlohn gegründete Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel e.V. (TPG) ließ bereits 1987 das aus 40 Bronzeglocken bestehende Glockenspiel nachfertigen und übergab es am 14. April 1991 der Stadt Potsdam. Es steht heute auf der Plantage nördlich der Garnisonkirche.

  2. 15.01.2004

    „Ruf aus Potsdam“

    Mehr als 100 Persönlichkeiten der Stadt und ihrer Umgebung unterzeichneten den „Ruf aus Potsdam“, der zum Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam aufruft. Schirmherren der Wiederaufbauinitiative sind Bischof Prof. Wolfgang Huber, Ministerpräsident Matthias Platzeck und Innenminister Jörg Schönbohm.

    „Ruf aus Potsdam“
  3. 28.01.2004

    Gründung der Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche e.V.

    Potsdamer Bürgerinnen und Bürger gründeten auf Initiative des Industrieclubs Potsdam e.V. mit Unterstützung der evangelischen Landeskirche und der Landeshauptstadt Potsdam die Fördergesellschaft. In der Folgezeigt steigt die Mitgliederzahl auf etwa 800. Die FWG ist ein Zusammenschluss von Personen, die den Wiederaufbau der Garnisonkirche und die dortige zukünftige inhaltliche Arbeit befürworten und unterstützen.

  4. 14.04.2005

    Grundsteinlegung für den Wiederaufbau

    Aus Anlass des 60. Gedenktages des Bombenangriffs auf Potsdam findet unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit am Standort der Garnisonkirche ein liturgisch gestalteter Festakt mit der Grundsteinlegung statt. Als einer der vier Stadtverordneten, die es 1968 wagten, gegen den Abriss zu stimmen, konnte Dr. Gebhard Falk den Schlussstein in den über dem Grundstein errichteten Gewölbebogen setzen.

    Grundsteinlegung für den Wiederaufbau
  5. 23.06.2008

    Unterzeichnung der Gründungsurkunde der Stiftung Garnisonkirche Potsdam

    Die von der Fördergesellschaft Garnisonkirche Potsdam e. V. initiierte Gründung der Stiftung Garnisonkirche Potsdam als künftiger Bauherr und Betreiber der Garnisonkirche wird im Anschluss an einen Gottesdienst mit Bischof Prof. Wolfgang Huber vollzogen. Zweck und Ziel der Stiftung ist der Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam als Stadtkirche, Friedens- und Lernort.

    Unterzeichnung der Gründungsurkunde der Stiftung Garnisonkirche Potsdam
  6. 25.06.2011

    Einweihung der temporären Kapelle an der Garnisonkirche

    Mit einem feierlichen Gottesdienst nimmt die temporäre Kapelle an der Garnisonkirche, die auch eine Ausstellung zur Geschichte und Zukunft der Garnisonkirche beherbergt, ihren Dienst auf. Seit März 2011 gibt es eine Pfarrstelle am Ort, sodass dort wöchentlich Gottesdienste und zahlreiche andere Veranstaltungen gefeiert werden.

    Einweihung der temporären Kapelle an der Garnisonkirche
  7. 31.07.2013

    Erteilung der Baugenehmigung

    Die Stadt Potsdam erteilt der Stiftung Garnisonkirche die Baugenehmigung für den ersten Bauabschnitt, den Turm der Garnisonkirche.

    Erteilung der Baugenehmigung
  8. 10.05.2014

    Einweihung der Wetterfahne

    Als eines der größten Einzelbauteile wird die mit Mitteln eines testamentarischen Vermächtnisses von Frau Dr. Johanna Hofmann aus Bad Pyrmont sowie Spenden von Mitgliedern der FWG gestiftete, originalgetreu rekonstruierte Wetterfahne im Beisein des Ehrenkurators der Stiftung, Bundespräsident a. D. Dr. Richard von Weizsäcker, am Baufeld aufgestellt. Dort steht sie, bis sie mitsamt der Turmlaterne mit Kuppelhaube auf den Turmschaft gehoben werden kann auf einer Höhe 88,40 m.

    Einweihung der Wetterfahne
  9. 20.07.2014

    Namensgebung der Kapelle

    Der Ratsvorsitzende der EKD, Dr. Nikolaus Schneider, gibt der temporären Kapelle an der Garnisonkirche den Namen „Nagelkreuzkapelle“ - am 20. Juli 2014, dem 70. Jahrestages des Widerstands und dem zehnten Jahrestag der Verleihung des Nagelkreuzes. In der Nagelkreuzkapelle ist eine Profilgemeinde zu Hause, die vom Dreiklang „Geschichte erinnern, Verantwortung lernen, Versöhnung leben“ geleitet ist.

    Namensgebung der Kapelle
  10. 29.10.2017

    Gottesdienst zum Baustart: "Eine Kultur des Friedens bauen"

    Am 29.10.2017 fand ein großer Gottesdienst zum Baustart statt. Rund 700 Unterstützer, Sponsoren und Ehrenamtliche feierten mit. Währenddessen protestierten Kritiker mit Plakaten und Beschimpfungen. Zur Deeskalation verzichtete die Stiftung auf Polizeieinsatz, obwohl dies einen Verstoß gegen Art. 4 Abs. 2 GG („Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet“) darstellte. Die Predigt hielt Wolfgang Huber: Der Turm solle architektonisches Zeichen und Zentrum für Frieden und Versöhnung werden.

    Gottesdienst zum Baustart: "Eine Kultur des Friedens bauen"
  11. 06.04.2018

    Benefizkonzert zugunsten des Wiederaufbaus

    Ein Konzert unterstützt die weitere Finanzierung des Turmbaus. Neben dem kulturellen Programm dient die Veranstaltung der Stärkung der öffentlichen Wahrnehmung des Projekts.

  12. Oktober 2018

    Betonage der Bodenplatte

    Mit der Fertigstellung der Bodenplatte wird ein zentraler Bauabschnitt abgeschlossen. Der Turm erhält sein tragendes Fundament – ein sichtbarer Fortschritt im Wiederaufbau.

    Betonage der Bodenplatte
  13. Februar 2020

    Der einmillionste Ziegel wird vermauert

    Mit der Vermauerung des einmillionsten Ziegels wird ein bedeutender Meilenstein des Turmbaus gefeiert. Das Ereignis symbolisiert die breite Unterstützung durch tausende Spenderinnen und Spender.

    Der einmillionste Ziegel wird vermauert
  14. 2020

    FWG stellt knapp 272.000 € für Bau und Ausstellung bereit

    Die Fördergesellschaft unterstützt die Stiftung Garnisonkirche konkret mit: • 60.000 € für das Ausstellungskonzept • 70.500 € zweckgebundene Spenden für Schmuckelemente und Bauteile • knapp 142.000 € für die historisch nachgestaltete Balustrade Damit leistet die FWG einen wesentlichen finanziellen Beitrag zur Realisierung des Turms.

  15. 2022

    Vorbereitung des Glockenspiels („Friedenscarillon“)

    Die Planungen für das neue Glockenspiel werden weiter konkretisiert. Es soll künftig als musikalisches Zeichen für Frieden und Versöhnung wirken und den Turm akustisch prägen.

  16. 01.04.2024

    Einweihung der neuen Nagelkreuzkapelle im Turm

    Mit der Einweihung der Nagelkreuzkapelle im Turm erhält die Versöhnungsarbeit einen festen Ort im wiederaufgebauten Bauwerk. Gottesdienste, Friedensgebete und Andachten finden nun im Turm statt.

  17. Bis 07.08.2024

    6.100 Spendenziegel eingebaut

    Bis Anfang August sind insgesamt 6.100 personalisierte Spendenziegel im Turm verbaut. Die Ziegelaktion bleibt ein zentrales Identifikations- und Beteiligungsinstrument der Fördergesellschaft.

  18. 22.08.2024

    Feierliche Turmeröffnung

    Mit einem Festakt wird der Turm offiziell eröffnet. Ausstellung, Seminarräume und Aussichtsplattform werden der Öffentlichkeit übergeben. Der Turm ist nun nicht mehr Baustelle, sondern Ort der Begegnung, Bildung und Erinnerung.